Die Jagd mit dem Falken

 

Die Ursprünge der Beizjagd sind nicht genau datiert. Das älteste historische Zeugnis über die Falkenjagd ist ein Rollsiegel aus Assyrien aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. Für die Nomadenvölker Mittelasiens war die Beizjagd (vom mittelhochdeutschen beizen = beißen lassen) in der deckungslosen Steppe eine zweckmäßige Jagdform. Es gibt Dokumente aus China, Japan, Indien und Persien, die belegen, dass die Jagd mit dem Falken dort schon sehr früh ausgeübt wurde. Vermutlich breitete sich die Falknerei im Zuge der Völkerwanderung im 4. Jahrhundert nach Chr. auch in Europa aus. Entscheidenden Anteil am kulturellen Aufschwung der Falknerei im Mittelalter hatte der Stauferkaiser Friedrich II (1194-1250). Sein berühmtes Falkenbuch "De arte venandi cum avibus" (Über die Kunst mit Vögeln zu jagen) blieb bis weit in die Neuzeit DAS Standardwerk über die Beizjagd. War sie anfangs noch Erwerbsjagd für große Teile der Bevölkerung, wurde die Falkenjagd bald zum Sinnbild von Macht, Herrschaft und Reichtum und war nun dem Adel vorbehalten.

 

 

Tatsächlich war die Beizjagd bis zum Ende des 17. Jahrhunderts ein wesentlicher Bestandteil des feudalen Jagdwesens fast aller europäischen Völker. Im 18. Jahrhundert wandte sich das herrschaftliche Interesse zunehmend der Parforcejagd zu. Die Jagd mit dem Falken war aus der Mode gekommen. Nur unter englischen Landedelleuten setzte sich die Tradition der Beizjagd in bescheidenem Maße fort. Erst mit der Gründung des Deutschen Falkenordens 1923 wurde die Falknerei nahezu in ganz Europa wiederbelebt. 

 

Die Beizjagd ist die Jagd mit abgerichteten Greifvögeln auf frei lebendes Wild. Man unterscheidet zwischen Beizvögeln vom „Hohen Flug“ (alle Falken, die "hoch" in der Luft jagen) und Vögeln vom „Niederen Flug“ (alle Habichtsartigen, die "niedrig" in Bodennähe jagen). Die Greifvögel vom „Hohen Flug“ werden noch einmal unterteilt in „Anwarterfalken“ und „Faustfalken“.

Anwarterfalken werden zur Jagd auf Fasane, Rebhühner und Enten eingesetzt. Um diese Wildarten zu finden, werden Vogelhunde wie English Setter oder English Pointer eingesetzt, die durch sicheres Vorstehen das Federwild anzeigen. Hat der Hund Wild gefunden, wird dem Falken die Haube abgenommen. Der Falke steigt über dem Falkner in die Höhe (bis zu 150 Meter und mehr), wo er in der Luft kreisend darauf wartet, "anwartet", dass ihm das Wild vom Jagdhund (auf Kommando des Falkners) hoch gemacht wird. Der Falke wird, sobald er das fliegende Wild sieht, in einem „Steilstoß“, bei dem Wanderfalken bis zu 200 km/h und mehr erreichen können, das Beutetier verfolgen und greifen.

 

Sakerfalke Tini

 

 

DIE JAGD MIT DEM TYRAS 

Neben der Beizjagd war im Mittelalter auch die Jagd mit dem Netz (= Tyras) sehr verbreitet. Beim "Tyrassieren", dem Fangen von Rebhühnern oder Wachteln, musste der Hund Federwild finden und anzeigen, ohne es hochzumachen. Die herbeieilenden Jäger warfen dann ein Netz über Wild und Hund, wobei der Hund solange ruhig unter dem Netz liegenbleiben musste, bis die Beute eingesammelt war. Die lebend gefangenen Hühner oder Wachteln wurden in sogenannten Wachtelkammern noch eine Zeit lang gemästet.

Während man für die Beizjagd im Mittelalter oft noch Stöberhunde einsetzte, die das Wild für den Greifvogel aufstöberten und sofort hochmachten, brauchte man für die Netzjagd perfekt abgerichtete Hunde, die das Wild anzeigten, vorsichtig nachzogen und solange Abstand wahrten, bis die Hühner gefangen waren. Nur sehr feinnasige, intelligente Hunde kamen dafür in Betracht.

 

 

So entwickelten sich aus den langhaarigen Landspaniels, den damaligen Stöberhunden, die Setting-Dogs -> Setter. Hunde also, die sich beim Anzeigen des Wildes setzten oder niederlegten. Da man sie hautpsächlich für die Jagd auf Geflügel einsetzte, wurden sie auch als Hühnerhunde bezeichnet.

 

 

English Setter vor Rebhühnern

 

 

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